7. Jugendzukunftskonferenz 2006

der Jacob-Grimm-Schule Kassel

Alles wird Gut — Armut • Terror • Glück

 

Wird wirklich alles gut? [sic!]

7. Jugendzukunftskonferenz am Montag, 8. Mai

Von Angelika Kleinhenz

KASSEL. Jede Menge Zündstoff versprechen die Organisatoren der 7. Jugendzukunftskonferenz der Jacob-Grimm-Schule am Montag, 8. Mai. Eingeladen sind Jugendliche ab der 10. Klasse. In der Salzmann Factory werden Schüler und Experten von 10 bis 18 Uhr in Workshops zu verschiedenen Themen Stellung nehmen. Ab 19 Uhr ist dann die Kasseler Öffentlichkeit aufgerufen mitzudiskutieren. Wir sprachen vorab mit zwei der Organisatoren, Cara Röhner (18) und Jonas Rüppel (19):

"Alles wird Gut" heißt das Motto der 7. Jugendzukunftskonferenz. Wird denn wirklich alles gut?

Jonas Rüppel: Nein, natürlich ist der Titel provokativ und ironisch. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, in der vieles schief läuft. Weil wir uns damit nicht abfinden wollen, sitzen wir nicht Chips essend vor dem Computer, sondern werden am 8. Mai über die Globalität von Menschenrechten, Konsum als sinnstiftend ("Trans-Zen-Benz") und die Zukunft unseres Sozialstaates diskutieren.

In welcher Hinsicht betrifft euch das Thema Menschrechte?

Cara Röhner: Dem "guten" Bürger kann nichts passieren, heißt es immer. Doch seit dem 11. September hat sich in unserer Gesellschaft viel verändert. Wir fragen uns, wie viel Sicherheit wir brauchen. Und wie viel Freiheit, Menschen- und Bürgerrechte opfern wir dafür? Ab 14 Uhr diskutieren wir mit Anja Mihr, Vorstandsvorsitzende von Amnesty-International in Deutschland. Sie wird wie alle anderen Experten bei der Podiumsdiskussion am Abend dabei sein.

Um was geht es euch in der Arbeitsgruppe Trans-Zen-Benz?

Jonas Rüppel: Die dreht sich um die Frage: Was gibt unserem Leben einen Sinn? Ist es der neue MP3-Player? Oder gibt es gemeinsame Ideale, die es wert sind, neu entdeckt zu werden?

Thema Sozialstaat: Das betrifft euch am unmittelbarsten?

Cara Röhner: Natürlich. Wir sind die Generation, die anstelle eines festen Arbeitsvertrages mit Langzeitpraktika abgespeist wird. Diejenigen, die bald für die Rente einzahlen, ohne zu wissen, ob wir jemals etwas davon sehen. Deshalb befassen wir uns unter anderem mit dem Thema Marktfreiheit kontra soziale Gerechtigkeit.

Was versprecht ihr euch von der Jugendzukunftskonferenz?

Jonas Rüppel: Unserer Generation wird immer vorgeworfen, wir seien desinteressiert, bekämen nicht mit, was um uns herum passiert. Mit dem Forum wollen wir zeigen, dass dem nicht so ist. Und wir wollen Jugendlichen eine Plattform bieten, über ihre Zukunft nachzudenken und zu diskutieren. Zukunft ist nichts Abstraktes. Wir können sie selbst mitgestalten!

HNA, o.Nr. vom 4.5.2006, o.S. [Kassel, Lokal, S.4]

 

Zündstoff Zukunft

Schüler und Experten diskutierten über Werte, Sozialstaat und Menschenrechte

Von Marie Klement

PodiumViele Themen, viele Meinungen: Dr. Anja Mihr, Anja Jöst, Frederic Müller-Braune, Olaf Melzer, Luis Felipe Arango, Ingmar Sturm, Ullrich Riedler, André Presse und Cord Stern (von links) sprachen über Wege, den Sozialstaat künftig zu erhalten, und Möglichkeiten, die Menschenrechte durchzusetzen. Foto: meyer

KASSEL. Jugendliche interessieren sich nicht für Politik, sie interessieren sich nur für Spaß und Freizeit. Jugendliche denken nicht über die Zukunft nach, sie denken nur an ihre Hobbys. Jugendliche gehören einer Null-Bock-Gesellschaft an, sie sind nicht engagiert.

Dass an diesen oft geäußerten Vorurteilen nichts dran ist, bewiesen jetzt die Teilnehmer der Jugendzukunftskonferenz der Jacob-Grimm-Schule. Einen Tag lang diskutierten sie mit Experten über den Sozialstaat und Menschenrechte. Und das immer unter dem Motto "Alles wird gut". [sic!]

Ob tatsächlich alles gut wird, darum ging es auch während der Podiumsdiskussion, zu der die Schüler zum Abschluss der Konferenz geladen hatten. Gemeinsam mit André Presse vom Interfakultativen Institut für Entrepreneurship in Karlsruhe, HNA-Redakteur Ullrich Riedler, Dr. Anja Mihr von amnesty Deutschland und Olaf Melzer von der Stiftung für Friedensforschung sprachen sie über ihre Ergebnisse.

Stichwort Sozialstaat. Da hat das Grundeinkommen Zukunft, sagt André Presse. Ziel dieser Idee sei, dass jeder Staatsbürger einen festen Grundbetrag bekomme und zusätzlich so viel dazu verdienen könne, wie er wolle. "Der Vorteil ist, dass jeder eine soziale Sicherheit durch diese Grundversorgung hat."

Anderer Vorschlag. Ullrich Riedler setzt mehr auf Eigenvorsorge und langfristige Reformen, auch wenn diese wenig verlockend seien. "Vor allem muss mehr in Zukunftsbereiche investiert werden", sagt er. "Beispielsweise in Bildung."

Ein Punkt, den auch die Schüler aufgegriffen haben. "Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte", sagt Ingmar Sturm. Außerdem seien einkommensbezogene Sozialabgaben wichtig.

Stichwort Menschenrechte und deren Durchsetzbarkeit. "Menschenrechte dürfen nicht mit Gewalt durchgesetzt werden", sagt Anja Mihr. Die Waffen amnestys seien daher Wort und Schrift. Und die Bevölkerung über ihre Rechte aufzuklären, um sie zu mobilisieren.

Ähnlich sieht das auch Olaf Melzer. Er hat einen weiteren Vorschlag: "Eine vierte Möglichkeit, Menschenrechte zu verteidigen, sind juristische Mittel." So wie der Europäische Gerichtshof, der Gerichtsverfahren gewährleiste.

Die Menschenrechte als letztes Mittel vielleicht sogar mit Gewalt durchsetzen? Ein Thema, über das sich die Schüler nicht einigen konnten. "Es gibt keine Lösung", sagt Frederic Müller-Braune. "Es kommt auf die Situation an."

Und Luis Felipe Arango, Austauschschüler aus Kolumbien, ergänzt: "Mit einer universellen Lösung würden wir wohl den Friedensnobelpreis bekommen."

HNA, Nr. 108 vom 10.5.2006, o.S. [Kassel, Lokal, S.5]

 

Ein Mann mächtiger Worte

Schriftsteller Friedrich Christian Delius zu Gast in Grimm-Schule

F.C. DeliusZuhörer in Bann geschlagen: Der bekannte Autor Friedrich Christian Delius las am Freitagabend in der Jacob-Grimm-Schule

Kassel. Die Atmosphäre stimmte: Scheinwerfer beleuchteten gestern Abend die Turnhalle der Jacob-Grimm-Schule. Und der Schriftsteller Friedrich Christian (F. C.) Delius, eigens zu seiner Lesung in Kassel angereist, stand auf dem Podest im Rampenlicht.

Von nachdenklichem Schweigen bis zu heiterem Gelächter mit Szenenapplaus reichten die Reaktionen der rund 120 Schüler, Lehrer und Gäste, während Delius Kostproben aus seinen Büchern "Mein Jahr als Mörder" und "Die Minute mit Paul McCartney" vortrug. Im Zuge der diesjährigen Jugendzukunftskonferenz war der im nordhessischen Wehrda und in Korbach aufgewachsene 63-Jährige zur einstündigen Lesung nach Kassel gekommen. Am Mikro stehend, erklärte der Schriftsteller mit der markanten Brille den Schülern die Zeitsprünge in seinem, wie er sagt, autobiografisch geprägten Roman "Mein Jahr als Mörder".

Mit der Geschichte des Literaturstudenten, der 1968 beschließt, den freigesprochenen Nazi-Richter Hans-Joachim Rehse selbst umzubringen, hatten sich die Schüler zuvor beschäftigt.

Mit dem zweiten Teil seiner Lesung lockerte Delius die Stimmung wieder auf: Ebenfalls autobiografisch, wie er versicherte, las er von seinem Erlebnis, wie er 1967 einmal eine Minute mit Paul McCartney verbringen durfte. Das trug sich im Londoner Regent's Park zu, beim Fußballspielen mit Freunden. Und mit McCartneys Hund, der sich aus dem Gebüsch heraus auf den Ball stürzte - gefolgt von der Berühmtheit persönlich.

HNA, Nr. 117 vom 20./21.5.2006, o.S. [Kassel, Lokal, S.7]

 

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