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Christoph Steinbach: Muss der Schweinkram sein? 100 Schüler sprachen während der Jugendzukunftskonferenz über Pornokultur, Egoismus und Gen-Food. Aus: HNA, Nr. 115 vom 19.5.2009, S. LO 3.
"Wenn ich irgendwann keinen Sex mehr habe, fühle ich mich nicht mehr gebraucht." Den 30 Schülern, die in einem verstaubten Raum der Kulturfabrik Salzmann auf eine Leinwand starren, fällt die Kinnlade. Sie schauen gerade einen Beitrag des ARD-Magazins "polylux", in dem eine Mutter mit ihrer Tochter offen über den Geschlechtsakt spricht: "Sex sells."
- Kontrovers und provokant -
Die Schüler, die am Ende des Beitrages immer noch mit dem Kopf schütteln, sind Teilnehmer der 10. Jugendzukunftskonferenz (JZK), die gestern in der Kulturfabrik Salzmann stattgefunden hat. Insgesamt 100 Kasseler Gymnasiasten trafen sich auf der von der Jacob-Grimm-Schule (JGS) organisierten Konferenz, um gemeinsam über die Zukunft der Gesellschaft zu sprechen. "Und da spielt die Pornokultur nun mal eine Rolle", meinen die Schüler.
"Schweinkram eben", ganz dem Motto der diesjährigen JZK entsprechend. Neben der Pornokultur standen noch zwei weitere Themen auf der Tagesordnung: Gen-Food und Egoismus.
"Wir wollen mit unseren Themen die Teilnehmer zum Nachdenken anregen", sagt Jana Arnoldi, Schülerin der JGS und Mitorganisatorin der Konferenz. Warum hat Sex nicht mehr viel mit Liebe zu tun? Kaufe ich ökologische Lebensmittel nur weil sie im Trend liegen, oder doch weil sie gesund sind? Fördert der Kapitalismus den Egoismus des Einzelnen? Das waren nur drei der Fragen, die diskutiert wurden. Kontrovers, provokant, polarisierend.
- Einigkeit war Fehlanzeige -
"Das Tolle an der Jugendzukunftskonferenz ist, dass man viele verschiedene Ansichten kennen lernt", berichtet die 19-jährige Astrid Kasparek über die Diskussionen. Einigkeit zwischen den Teilnehmern war also Fehlanzeige - allerdings war das auch so gewollt. Denn: "Erst das Aufeinandertreffen der verschiedenen Meinungen macht die JZK zu dem, was sie ist - eine Plattform für den Austausch."
An den Diskussionen beteiligten sich übrigens nicht nur die Schüler, sondern auch Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft: Die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Nicole Maisch, der Sexualwissenschaftler Professor Jakob Pastötter, Björn Malcharczyk vom Agrar-Konzern Monsanto und Gen-Mais-Gegner Dietmar Groß zum Beispiel stellten sich gestern den Fragen der Jugendlichen.
Am Abend dann machte sich die Öffentlichkeit ein Bild der Diskussionen zwischen Nachwuchs und Experten. Das Urteil: Kassels Schüler rüsten sich für die Zukunft. Das hat die JZK gezeigt.
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Anja Berens: In Zukunft ohne Angst. Aus: HNA, Nr. 115 vom 19.5.2009, S 1.
Es ist noch gar nicht lange her, da warf man Jugendlichen vor, sich nicht für ihre Zukunft zu interessieren: Als Null-Bock-Generation galten in den späten 80er- und 90er-Jahren junge Menschen, die ihre berufliche und soziale Zukunft äußerst düster malten. Politisches Interesse und Protestaktionen? Fehlanzeige.
Das mag auch daran liegen, dass Jugendliche weniger von gesellschaftspolitischen Kontroversen als vielmehr von MTV, Handy und Internet geprägt sind. Und doch – und zum Glück – gibt es immer wieder Gruppen junger Menschen, die auch nach Schulschluss über die Themen ihrer Zeit diskutieren: Über Kapitalismus und Arbeitslosigkeit, Egoismus, Genfood und Pornokultur etwa, wie gestern Kasseler Schüler auf der von der Jacob-Grimm-Schule organisierten Jugendzukunftskonferenz.
Zukunftsängste sollen der Vergangenheit angehören, lautete der Tenor. Das Engagement der Kasseler Schüler ist aller Ehren wert: Denn wer gut informiert und weniger resignativ in die Zukunft blickt, der ist auch weniger empfänglich für extreme Parteien.
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Kasseler Schüler blicken selbstbewusst in die Zukunft. Aus: HNA, Nr. 115 vom 19.5.2009, S 1.
Sie wollen nicht blind in die Zukunft rennen und setzen sich ein, damit das Morgen besser wird: Die 100 Schüler, die gestern in der Kulturfabrik Salzmann über die Zukunft der Gesellschaft diskutiert haben. Themen waren Genfood, Pornokultur und Egoismus. Mit dabei waren auch David Nestvogel, Sophia Schönig und Hannah Neumann (von links), deren Figuren die verschiedenen Schichten der Gesellschaft darstellen.
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Die JZK: Eine Konferenz mit Tradition. Aus: HNA, Nr. 112 vom 15.5.2009, S. L04.
Am kommenden Montag findet zum zehnten Mal die Jugendzukunftskonferenz (JZK) statt, bei der jedes Jahr hunderte Schüler über die Themen der Zukunft sprechen. Grund genug, auf die Geschichte des Projektes zurückzublicken.
In Projektwoche entstanden
"Entstanden ist die JZK während einer Projektwoche", erinnert sich Dieter Schäckel, Lehrer an der Jacob-Grimm-Schule und Betreuer der ersten Auflage im Jahr 2000, an die Wurzeln der Jugendzukunftskonferenz.
"Damals hatten sich drei Schüler zusammengetan, die das ganz große Rad drehen wollten. Sie wollten eigenverantwortlich über Themen sprechen, die im Unterricht zu kurz kommen und damit möglichst viele Schüler in Kassel ansprechen." Was zunächst nur nach einer Idee klang, wurde wenig später Realität: "Sie haben auf eigene Faust die Kulturfabrik gemietet, Experten geworben und Sponsoren organisiert." Und das mit beeindruckendem Ergebnis. Andrea Ypsilanti, Spiegel-Autor Harald Schumann und Jugendforscher Klaus Hurrelmann gaben sich bei der Premiere ein Stelldichein. Zwei Jahre später konnte sogar ein Nobelpreisträger auf der JZK begrüßt werden: "Günter Grass hat damals eine Lesung gehalten. Das war schon etwas ganz Besonderes." In diesem Jahr steht zwar kein Nobelpreisträger auf der Gästeliste, die JZK dürfte aber trotzdem wieder ein voller Erfolg werden. (pch)
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Christoph Steinbach: "Natürlich haben wir Zukunftsängste". Dorothea Fläming (19) und Lukas Kiepe (17) sind im Organisationsteam der 10. Jugendzukunftskonferenz. Aus: HNA, Nr. 112 vom 15.5.2009, S. L04.
"Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen ist, sie zu gestalten." Den Appell, den Willy Brandt vor mehr als 30 Jahren an die Bürger der Bundesrepublik Deutschland gerichtet hat, haben sich zwei Schüler der Jacob-Grimm-Schule dick auf die Fahne geschrieben. Denn Dorothea Fläming und Lukas Kiepe sind Teil des Organisationsteams der 10. Jugendzukunftskonferenz (wir berichteten) und wollen mit ihrem Einsatz "das Morgen" ein bisschen besser machen.
"Das Morgen besser machen"
Dass sie dabei selbst etwas ängstlich in ihre eigene Zukunft schauen, haben die beiden im HNA-Gespräch verraten. "Ja, natürlich haben wir Zukunftsängste. Arbeitslosigkeit, Klimawandel, Perspektivlosigkeit - das alles sind Themen, die einem durch den Kopf schwirren", erzählt Dorothea, die gerade mitten im Abitur steckt, nachdenklich. Auch, wenn sie eigentlich gar keinen Grund hat, Trübsal zu blasen. Nach dem Abschluss plant die 19-Jährige "ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer kulturellen Einrichtung", danach will sie studieren. Eigentlich scheint der Weg klar, dennoch ist Dorothea skeptisch: "Man weiß eben trotzdem nicht, was die Zukunft bringt." Das weiß auch ihr Mitschüler Lukas, 17 Jahre alt und Schüler der Jahrgangsstufe 11, nicht. "Erst mal will ich das Abi in der Tasche haben, danach mache ich mir über mein Berufsleben Gedanken."
Aber auch wenn die Zukunftsvorstellungen der beiden Gymnasiasten blühende Fantasien vermissen lassen und vom großen Geld noch lange nicht die Rede ist, ist von Resignation keine Spur. "Ziel der Jugendzukunftskonferenz ist es, Gleichaltrige nachdenklich zu machen. Damit jeder seinen Teil dazu beiträgt, dass Zukunftsängste bald der Vergangenheit angehören."
Dazu gehört - da sind sich Dorothea und Lukas einig - nicht nur "das Nachdenken". Vor allem müsse die Jugend selbstbewusster werden und sich nicht "willkürlich von allen möglichen Dingen beeinflussen lassen". Von Dingen wie Pornokultur, Bio-Lifestyle und Kapitalismus. Themen, die am kommenden Montag bei der JZK auf dem Programm stehen.
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Christoph Steinbach: Schüler machen Überstunden. Vorbereitungen für die Jugendzukunfts-konferenz am 18. Mai laufen auf Hochtouren. Aus: HNA, o.Nr. vom 12.5.2009, S. L04.
Kassel. 14.45 Uhr. Während viele Schüler ihren wohlverdienten Feierabend genießen, denken 15 Schüler der Jacob-Grimm-Schule noch lange nicht daran, den Heimweg anzutreten. Sie sitzen im Clubraum des Oberstufengymnasiums an der Wilhelmshöher Allee und sprechen über Themen wie Egoismus, Pornokultur und Genfood.
Nachsitzen? Klausurvorbereitung? Weder noch. Die Gruppe ist das Vorbereitungsteam der "10. Jugendzukunftskonferenz" (JZK), die am 18. Mai in der Kulturfabrik Salzmann tagt - und opfert ihre Freizeit, um am kommenden Montag mit Kasseler Schülern ab der zehnten Klasse über die Zukunft der Gesellschaft zu sprechen. "Schweinkram" lautet in diesem Jahr das Thema - und soll provozieren. - Zum Nachdenken anregen -
"Wir wollen Selbstverständlichkeiten infrage stellen und zum Nachdenken anregen", beschreibt die 18-jährige Sarah Wenzinger das Ziel der Konferenz, an der im vergangenen Jahr mehr als 300 Schüler teilnahmen.
Muss es sein, dass Sexualität im Leben junger Menschen immer früher eine Rolle spielt? Warum ist Egoismus ethisch eher eine schlechte Eigenschaft, während dieser Wesenszug in Schule und Berufsleben zu Erfolg verhilft? Und werden Bio-Lebensmittel nur deshalb gekauft, weil sie im Trend sind - oder doch weil sie gesund sind? Die Fragen, mit denen man sich auf der JZK beschäftigen will, "sollen den gesellschaftlichen Rahmen, in dem wir uns bewegen, infrage stellen". Dabei sollen die Antworten, wie Sarah und ihre Mitschüler betonen, auf keinen Fall belehren. "Wir verstehen uns lediglich als Moderatoren. Die Einsichten, die jeder Teilnehmer aus der Konferenz zieht, sind individuell."
Aus Workshops, Expertenvorträgen und Selbsterfahrungen sollen sich diese Einsichten ergeben. Dass diese durchweg positiv sein werden, das verspricht schon der Optimismus der 15 Schüler, die im Clubraum der Jacob-Grimm-Schule sitzen und die JZK vorbereiten.
"Zwar hat die Zukunft viele Gesichter - wenn man sich dieser Gesichter aber bewusst wird, kann jeder von uns die Zukunft ein Stückchen besser machen." Darin sind sich Sarah Wenzinger und ihre Mitschüler einig.
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